Max Liebermann
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Als um die Jahrundertwende offensichtlich wurde, in wie hohem Maße die Entwicklung der Malerei in Deutschland vorbildlich am Schaffen Max Liebermanns, an seinem Werdegang, den Stationen des Weiterkommens und der entschiedenen Durchsichtigkeit seines folgerichtigen Tuns in Erfahrung zu bringen war, erfolgte zugleich eine eindeutige Akzentverschiebung. Liebermann hatte an verschiedenen Orten studiert und sich verhältnismäßig bald vom Schulbetrieb an den Akademien ferngehalten, er hatte versucht, eigene Wege zu gehen, die ihn direkter mit Lernbarem in Verbindung bringen sollten. Von Weimar aus ging er nach Paris und Barbizon und er kam, zunächst fast nebenbei, in die Nördlichen Niederland. Er meinte, München nicht umgehen zu können und kehrte 1884 nach Berlin zurück, dem er sich nicht zuletzt wegen der durch Menzel begründeten Tradition verbunden fühlte. In Berlin wuchs er spätestens seit 1892, seit der Gründung der "Vereinigung der XI" in die Rolle hinein, stellvertretend für die Gesinnung zu stehen, die ihre Grundlagen in der Tradition vom Realismus hatte (wobei die Berliner Voraussetzungen nicht vergessen bleiben sollten) und die sich zunehmend in ein zeitgenössisch bezogenes Gegenwartsverständnis wandelte. Was Liebermann aufgrund der Anregungen in den Niederlanden zustand gebracht hatte, was sich unter dem Eindruck von Jozef Israels zeitweise veränderte, hatte schon immer etwas mit Alltagserfahrung zu tun. Als das Jahrhundert zu Ende ging, durchdrangen das Sehen und das Zustandebringen zunehmend andere Erfahrungen, an denen das Verständnis weiterer großer künstlerischer Vorbilder zum Ausdruck kam. Es ist für Liebermann und darüber hinaus für die Situation in Deutschland höchst aufschlußreich, daß erst jetzt Anregungen aus dem französischen Impressionismus herüberwirkten. Das erstaunt bei Liebermann, denn er kannte doch Edgar Degas seinen Aufenthalten in Paris. Mit Degas war es vor allem Edouard Manet, dessen urban bestimmter Gegenwartsbezug das Hinsehenkönnen erweiterte. Diese Umstellung geschah ohne Abbrüche und sie vollzog sich im Zusammenhang mit Begebenheiten, die Liebermanns Stellung in der deutschen Malerei ebenso betrafen wie die Gewichtsverlagerung von München nach Berlin. Im Jahre 1898 wurde die Berliner Secession gegründet. Bruno und Paul Cassirer eröffneten ihren Kunstsalon. Berlin war erstaunlich schnell der ort geworden, wo es zeitgenössische Kunst zu sehen gab und ao sie dazu noch entstand. Lovis Corinth und Max Slevogt, umworben von Walter Leistikow und Max Liebermann, zog es in den unmittelbaren Wirkungskreis der Secession.
Aus dem Vorwort von Hans-Jürgen Imiela
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