Max Liebermann - Lovis Corinth
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Max Liebermann und Lovis Corinth, von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgehend, machten zunächst einmal Stationen ihrer eigenen Entwicklung durch, die sie zwar vorbereiteten auf das Verständnis von Intentionen, wie sie von den französischen Impressionisten vorgegeben waren, aber die Ergebnisse einer sich vollziehenden Auseinandersetzung kamen erst recht spät zum Vorschein. Auf das Jahr 1898 darf als Orientierungshilfe verwiesen werden. In Berlin wurde damals die Secession gegründet. Außerdem eröffneten Bruno und Paul Cassirer ihren Kunstsalon, in dem beste Beispiele französischer Malerei in heute schier unbegreiflicher Dichte und Fülle gezeigt sind.
Max Liebermann ist 1847 geboren und Lovis Corinth 1858. Der großstädtische Berliner hatte schnelleren Zugang zu der künstlerischen Tradition in einer Stadt, die in seiner Jugendzeit und bis zu dem zeitpunkt, als er bereits 57 Jahre alt war, bestimmt wurde durch das alles überragende und wohl gelegentlich quälende Vorbild Adolph von Menzels (1815-1905). Die künstlerischen Anfänge Liebermanns liegen in Berlin bei Karl Steffeck und die lebenslange Zuneigung zu ihm und Franz Krüger haben etwas mit dem Hineingewachsensein - noch dazu des Juden Max Liebermann - in diese Zusammenhänge zu tun. Lovis Corinth wuchs in Tapiau und in Königsberg in Ostpreußen auf. Er hatte das Gymnasium besucht und zehrte später noch von dem, was er dort an Eindrücken mitgenommen hatte. Als beide anfingen zu studieren, zeigte sich, daß Liebermann empfänglicher war für Strömungen von Malerei in seiner Gegenwart. Sein Weg nach Weimar, die Begegnung mit dem Werk des Michael Lieb von Munkacsy, schließlich die Übersiedlung nach Paris und Barbizon, das alles sind erstaunliche Entscheidungen und sie gingen doch, wird an den Impressionismus Monets gedacht, am Zeitgenössischen vorbei.
Zu denjenigen, die von München nach Berlin kamen, gehörten Lovis Corinth und Max Slevogt. Bei beiden kann aufgezeigt werden, wie sie als Jüngere zuvor von Veränderungen in den achtziger Jahren beeindruckt waren, die Liebermann niemals berührten. Sie haben wie er ähnlich angefangen: Sie waren in München gewesen und waren in Berührung mit der Leibl-Nachfolge gekommen. Am Ende der achtziger Jahre jedoch überschichteten sich die Erfahrungen der Ableitungsformen des deutschen Realismus mit gedanklichen Konzeptionen, die ihnen das Aufsuchen von Erlebnisbereichen ermöglichten, die über die Erscheinung des Sichtbaren hinaus gingen. Bei Corinth geschah das im Winter 1887/88 in Berlin im Freundeskreis mit Karl Stauffer-Bern und Max Klinger. Corinth wie Slevogt haben dann in den neunziger Jahren in München, nach Gründung der dortigen Sezession, 1892, bald Anzteil an der Bewegung des Jugendstils gehabt. Die langsame Lösung davon war zugleich die Annäherung an die künstlerische Gesinnung, wie sie in Berlin vorbildlich von Max Liebermann vertreten worden ist.
Corinth suchte sich neben Berlin seinen zweiten Arbeitsort in Urfeld am Walchensee. Hier entsand die Reihe seiner bedeutenden Landschaften. Für Corinth gilt ähnliches wie für Liebermann. Die Landschaft ist als Gegenstand seiner Malerei erst spät an der Entwicklung teilhabende Aufgabe gewesen. Das darf auch für das Stilleben gesagt werden. Dafür erlauben es Landschaft und Stilleben (neben den Porträts), den Weg durch das Spätwerk zu verfolgen, Zeuge eines Verklingens zu werden, wo immer wieder das Malenkönnen und Malendürfen Corinth aus seinen tiefen Depressionen holte und die Karft zum Zeugnis seiner Meisterschaft gab.
Lovis Corinth starb 1925. Max Liebermann, der längst in die Rolle eines Patriarchen hinein gewachsen war, lebte bis 1935 und mußte mit ansehen, wie Unverstand und Bösartigkeit sein Lebenswerk zu zerstören drohten. Lovis Corinth mußte nicht mehr Zeuge der beschämenden Aktion "Entartete Kunst" werden, die viele seiner Werke aus den Museen holte.
Aus dem Vorwort von Hans-Jürgen Imiela
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